Befunddolmetscher

Die Erklärungshilfe für Ihren medizinischen Befund.

Ein Beispielbefund und dessen Übersetzung

So könnte der Befund nach einer MRT-Untersuchung eines gesunden Knies aussehen:

Fahren Sie mit dem Mauszeiger über die unterstrichenen Textpassagen, um hervorzuheben, welche Erklärung zu welchem Fachbegriff gehört.

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Der Aufbau eines MRT-Befundes

Ein MRT-Befund ist in der Regel aus verschiedenen Abschnitten aufgebaut. Dazu gehören:

  • Die Patientendaten – Um den MRT-Befund später eindeutig einem Patienten zuordnen zu können, werden der Name des Patienten und meistens auch das Geburtsdatum und die Anschrift angegeben.
  • Die Indikation – Hier wird erklärt, warum die Untersuchung durchgeführt werden soll. Häufig findet man in diesem Abschnitt auch Informationen über die Krankengeschichte des Patienten.
  • Die Technik – Dieser Abschnitt liefert Informationen zu dem genauen Vorgehen bei der Untersuchung und zu den Aufnahmetechniken. Das ist zum Beispiel wichtig, um auch in nachfolgenden Untersuchungen Vergleiche anstellen zu können.
  • Der Befund – In diesem Abschnitt berichtet der Arzt darüber, was auf den MRT-Bildern zu sehen ist. Häufig findet hier noch keine Beurteilung des Gesehenen statt, sondern lediglich die Beschreibung.
  • Die Beurteilung – Sie ist für den behandelnden Arzt der wichtigste Teil des Befundes. In der Beurteilung interpretiert der Röntgenarzt das auf den MRT-Bildern Gesehene und stellt eventuell eine Diagnose.

Originalbefund

Übersetzung

Sehr geehrter Herr Kollege,
vielen Dank für die freundliche Überweisung Ihrer Patientin Melanie Mustermann, geb. 21.03.1982

Kernspintomographie des rechten Knies

MRT-Untersuchung des rechten Knies

Indikation:

30jährige Patientin mit Z.n. Sturz auf das rechte Knie beim Schlittschuhlaufen vor drei Wochen, seitdem persistierende Schmerzen medialseitig. Klinisch kein Erguss nachweisbar, im Röntgen kein Anhalt für eine frische knöcherne Verletzung. Frage nach bone bruise, Frakturlinie, Meniskus- oder Bandläsion medial?

Warum die Untersuchung durchgeführt werden muss:

Die 30jährige Patientin ist vor drei Wochen beim Schlittschuhlaufen auf das rechte Knie gestürzt (Z.n.=Zustand nach). Seitdem hat sie fortbestehende Schmerzen auf der Innenseite vom Knie. In der körperlichen Untersuchung war keine Flüssigkeitsansammlung im Kniegelenk zu sehen. In einer Röntgenaufnahme gab es keinen Hinweis auf eine frische Verletzung des Knochens. Die Ärzte möchten durch die Untersuchung wissen:

  • ob es eine Knochenprellung gibt,
  • ob eine Knochenbruch-Linie zu sehen ist,
  • ob auf der Innenseite vom Knie die halbmondförmige Gelenkscheibe oder ein Band verletzt ist.

Technik:

Sagittal T1
Sagittal PD
Coronar PD
Axial T2 mit FS

Untersuchungstechnik:

Wichtungen

Bei einer MRT-Untersuchung gibt es verschiedene Aufnahme-Techniken. Dadurch entstehen verschieden aussehende Bilder. Verschieden aussehend bedeutet, dass die Gewebe in unterschiedlichen Graustufen zu sehen sind. Sie sind auch unterschiedlich gut beurteilbar. Der Arzt nennt diese verschiedenen Aufnahmetechniken "Wichtungen". Oft sind mehrere Wichtungen nötig, damit der Arzt sich ein besseres Bild von Organen und Geweben verschaffen kann.

Es wurden Aufnahmen von der Seite in der T1-Wichtung und in der PD-Wichtung gemacht.

Es wurden Aufnahmen von vorn in der PD-Wichtung gemacht.

Es wurden Querschnitte vom Körper in T2-Wichtung mit Unterdrückung des Signals vom Fettgewebe gemacht.

Befund:

Regelrechte Artikulation im Kniegelenk. Distaler Femur und proximale Tibia sowie Fibula stellen sich nach Form und Größe unauffällig dar.

Was man auf den Bildern sieht:

Das Knochengefüge im Kniegelenk sieht normal aus. Das untere Ende des Oberschenkelknochens, also das, welches Nahe am Knie liegt, sieht in Form und Größe normal aus. Auch der obere Teil vom Schienbein und Wadenbein, also der Teil der ebenfalls Nahe am Knie liegt, sieht in Form und Größe normal aus.

Das Knochenmark weist in allen Sequenzen ein regelrechtes Signalverhalten auf, insbesondere kein Nachweis einer flächigen Hyperintensität in den T2-gewichteten Sequenzen. In der T1-Wichtung keine hypointense Frakturlinie abgrenzbar. Normal weiter Gelenkspalt. Der Knorpelbelag der Articulatio femorotibialis und femoropatellaris stellt sich normal breit dar ohne Nachweis pathologischer Signalalterationen.

Das Knochenmark sieht in allen angewendeten Untersuchungstechniken normal aus. Insbesondere ist in der T2-Wichtung keine helle Fläche zu sehen. In der T1-Wichtung ist keine dunkle Linie zu sehen, die bei einem Knochenbruch entstehen würde. Der Spalt zwischen den Knochen sieht normal weit aus. Der Gelenkknorpel an den zwei Gelenkteilen des Kniegelenkes, also dem Oberschenkel-Schienbeingelenk und dem Oberschenkel-Kniescheibengelenk, sieht normal breit aus. Der Gelenkknorpel hat im Bild kein krankhaft verändertes Aussehen.

Das vordere und hintere Kreuzband sind intakt abgebildet mit normaler Signalgebung. Regelrechte Konfiguration von Innen- und Außenmeniskus mit unauffälliger Binnenstruktur. Mediales und laterales Kollateralband stellen sich ebenfalls intakt dar mit normalem Signalverhalten. Ein Gelenkerguss ist nicht nachweisbar. Kein Hinweis auf entzündliche, degenerative oder tumoröse Veränderungen. NB Fabella.

Die Kreuzbänder sind Bänder, die im Inneren des Kniegelenks für Stabilität sorgen. Das vordere Kreuzband und das hintere Kreuzband sehen unbeschädigt und normal beschaffen aus. Die innere und äußere halbmondförmige Knorpelscheibe im Kniegelenk sind normal beschaffen. Das Innere dieser Knorpelscheiben sieht normal aus. Das Seitenband auf der Innenseite und auf der Außenseite sehen ebenfalls unbeschädigt und normal beschaffen aus. Eine Ansammlung von Flüssigkeit im Gelenk ist nicht zu sehen. Es gibt keinen Hinweis auf Veränderungen durch Entzündung, Gewebsuntergang oder durch eine Geschwulst-Erkrankung. Nebenbei (NB = nebenbefundlich) ist in der Untersuchung ein Knöchelchen in einer Sehne aufgefallen.

Beurteilung:

MR-morphologisch kein Nachweis einer Knochenkontusion oder frischen Fraktur. Ebenfalls kein Hinweis auf eine Meniskus- oder Bandverletzung. Somit insgesamt altersentsprechend unauffällige Darstellung des rechten Kniegelenkes.

Was das auf den Bildern Gesehene bedeutet:

Anhand des Aussehens in der MRT-Untersuchung ist keine Knochenprellung und kein frischer Knochenbruch zu sehen. Es gibt auch keinen Hinweis darauf, dass eine der halbmondförmigen Knorpelscheiben im Inneren des Knies oder ein Band verletzt sein könnte. Das Untersuchungsergebnis entspricht dem Alter der Patientin, das rechte Kniegelenk sieht unauffällig aus.

Letzte Änderung: 01.05.2015